Von Kichererbsen, Reallaboren und den „Magic Five“ – was den Wandel im ländlichen Raum trägt
Kichererbsen aus Brandenburg? Klingt ungewöhnlich – ist aber gar nicht so abwegig. Mit steigenden Temperaturen könnten sie hier künftig wachsen. Doch wie kommt man von der Idee zur Umsetzung? Zum Beispiel in Reallaboren, also Testräumen, in denen Forschende gemeinsam mit Akteuren aus der Praxis innovative Lösungen erarbeiten.
Um solche Orte des Ausprobierens ging es beim 60. Brandenburger Regionalgespräch am 7. Mai 2026, das vom Leibniz-Institut für Raumbezogene Sozialforschung (IRS) zum ersten Mal auf der Burg Beeskow ausgerichtet wurde. Zusammen mit Expertinnen und Experten aus der Regionalplanung, Wissenschaft, Wirtschaftsförderung und Verwaltung wurde diskutiert, was Wandel mit Orten zu tun. Wie entstehen diese Orte und wie bleiben sie bestehen? Auf dem Podium waren Jeannette Gruner (LAG Oderland), Julia Gunnoltz (ZALF), Martin Hollinetz (Otelo eGen), Oliver Kühne (Landkreis Oder-Spree) und Dr. Ralph Richter (IRS). Gemeinsam mit Bürgerinnen und Bürgern aus dem Publikum diskutierten sie, was es braucht, damit Initiativen in der Region wirken können und vor welchen Herausforderungen sie aktuell stehen. Dabei heraus kamen folgende Learnings:
Die magischen Fünf
Neu geschaffene Orte brauchen die "Magic Five“: eine Handvoll Menschen, die nicht nur Gastgeber sind, sondern auch ein Gespür dafür haben, was vor Ort gebraucht wird. Dass das funktioniert, zeigen die offenen Technologielabore (Otelo) im österreichischen Salzkammergut. Seit 2010 entstanden getragen von lokalen „Hostingteams“ über 20 soziale Labore.
Niedrige Hürden gesucht
Nachhaltig wirksame Initiative kommt am besten von „unten“. Gerade bei Jugendlichen ist die Lust auf neue Projekte groß – bis die Förderbürokratie zuschlägt. Wie es anders geht, zeigt ebenfalls die Otelo-Genossenschaft: Junge Leute bekommen 1000 € und ein Coaching für jede Idee, egal wie verrückt.
Offenheit braucht Werte
Offen für alle sollen Orte sein. Doch wie viel Offenheit ist möglich? Schließlich haben auch die, die nicht auf dem Boden des Grundgesetzes stehen, Interesse an Orten für Projektentwicklung und Zusammenkunft. Offenheit braucht deshalb einen klaren Wertebezug. Eine Möglichkeit ist, mit jeder neuen Nutzergruppe ein Gespräch über die demokratischen Grundwerte des Orts zu führen.
Zeit zu wachsen
Es dauert oft Jahre, bis ein Ort wirkt. „Mit Pushen und Kämpfen hat es nie geklappt“, berichtet Martin Hollinetz. Wichtig auch: Keine parallelen Strukturen aufbauen, sondern an bestehende Netzwerke anknüpfen.
Der Wandel wird hart
Wandel heißt heute auch gesellschaftliche Polarisierung und wachsender autoritärer Populismus. Ein Teilnehmer beobachtet in Dorfgemeinschaften zunehmend „Machtmenschen, die ihren Willen durchsetzen“. Angesichts dessen müssen zivilgesellschaftliche Netzwerke und öffentliche Einrichtungen resilienter werden.
Weitere Infos zum Leibniz-Institut für Raumbezogene Sozialforschung (IRS) unter https://leibniz-irs.de/
Fotos: Alexander Rentsch